25.03.2010

In Zusammenarbeit mit dem Wichernhaus und organisiert vom Kreisjugendring Nürnberger Land (KJR) fand vom 7.1. – 25.3.2010 in der Kletterhalle „Kunstgriff“ in Altdorf ein in dieser Form einmaliger Kletterkurs statt. Unterstützt wurde das Projekt auch durch den DAV Altdorf, der die Halle für das Projekt kostenlos zur Verfügung stellte.

Seit September 2009 ist auch die Hauptschule Altdorf ein Schulstandort mit gebundenem Ganztagszug. Eine gebundene Ganztagsklasse zeichnet sich rein organisatorisch dadurch aus, dass die Kinder an vier Wochentagen für mindestens sieben Zeitstunden anwesend sein müssen und eine warme Mahlzeit zu sozialverträglichen Preisen erhalten. Neben dem Pflichtunterricht finden auch Übungs- und Studierzeiten, Intensivierungsstunden sowie sportliche, musische, kulturelle und freizeitpädagogische Fördermaßnahmen ihren Platz.

Neben verschiedenen anderen Angeboten konnte der DAV Hersbruck als Partner gewonnen werden.
Der ursprüngliche Kurstitel lautete „Sportklettern“ und die Kursbeschreibung beinhaltete selbständig Topropeklettern, unterschiedliche Sicherungsgeräte anwenden, Kletterknoten und Klettertechniken lernen und auf freiwilliger Basis die Prüfung zum DAV Kletterschein „Toprope“ absolvieren. Für den 2. Teil des Kurses war klettern im Vorstieg - also ohne Seil von oben - verantwortungs¬volles Vorstiegs¬sichern, fortgeschrittene Klettertechniken und die Prüfung zum DAV Kletterschein „Vorstieg“ vorgesehen.
Andrea Koch-Plank, Ergotherapeutin mit Kerstin Löhner, Physiotherapeutin und Thomas Haas, Klettertrainer beim DAV, sind schon seit geraumer Zeit mit ihren Klettergruppen in der Kletterhalle „Kunstgriff“ aktiv, nur mit dem kleinen Unterschied, dass Andrea Koch-Plank Kinder und Jugendliche mit Behinderung betreut. Die Idee war schnell geboren und umgesetzt, „integratives Klettern“, also eine gemeinsame Kletterausbildung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung. Nachdem auch die Schulleitung der Hauptschule Altdorf sofort zugestimmt hatte, startete am 7.1.2010 dieses spannende Projekt.
Unter der Leitung von Andrea Koch-Plank, Kerstin Löhner und Thomas Haas nahmen 6 Hauptschüler im Alter von 11-13 Jahren und 7 Jugendliche des Wichernhauses im Alter von 15-17 Jahren teil.
Da die Jugendlichen des Wichernhauses bereits seit einiger Zeit in der Klettergruppe trainieren, hatten diese natürlich erst mal die Nase vorn. So vermittelten unter den Argusaugen der Betreuer die „Großen“ den „Kleinen“ die Grundlagen des „Toprope-Kletterns“.
Die ersten Berührungsängste waren bereits nach kurzer Zeit wie weggeblasen und es bildeten sich am jeweiligen Leistungsstand orientierte Teams.
Einer der wesentlichen Merkmale des Kurses war, die Kursinhalte den jeweiligen persönlichen Möglichkeiten anzupassen. Werden in üblichen Kletterkursen die Kursinhalte parallel und mit gleichen Methoden und Materialien vermittelt, stellte dieser Kurs die Betreuer vor besondere Herausforderungen. So wurden je nach Motorik die verschiedensten Sicherungsgeräte eingesetzt. Seilkommandos, üblicherweise mehr oder weniger fordernd gebrüllt, mussten bei Kindern mit Sprachstörungen mit Gestik und strengen Blicken erledigt werden.
Nach gut der Hälfte der Kurszeit hatten 4 Hauptschüler und 5 Jugendliche des Wichernhauses die Prüfung zum „DAV Kletterschein Toprope“ bestanden.
Ab 4.3. wurden 2 neue Gruppen gebildet: Toprope und Vorstieg.
Vorstiegsklettern heißt, eine Route selbständig ohne Seilsicherung von oben zu bewältigen. Das im Gurt eingebundene Seil muss zur Sicherung in die jeweiligen Expressen eingehängt werden. Ein Fehler führt hier in der Regel zum Sturz. Vorstiegssichern heißt, genau diese Situationen mit dem richtigen Verhalten zu kompensieren, also den kletternden Partner vor Verletzungen zu schützen. Und das ist auch eines der faszinierendsten Merkmale des Klettersports. Man klettert zu zweit und überträgt dem Sicherungspartner die Verantwortung über – in letzter Konsequenz – sein eigenes Leben.
Und das haben die 3 Hauptschüler und 4 Jugendliche des Wichernhauses, die das Klettern im Vorstieg gewagt haben, mit Bravour gemacht.

Mit berechtigtem Stolz auf die eigene Leistung erhielt jeder Teilnehmer am letzten Tag des Kurses eine Urkunde. Ach ja, so richtig behindert war dann eigentlich keiner mehr.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Idee des „integrativen Kletterns“ unbedingt eine Fortsetzung finden sollte. Schön wäre es auch wenn man dieses Angebot zusätzlich in Hersbruck verwirklichen könnte. Bisher scheiterte dies am Fehlen einer eigenen Kletterhalle in Hersbruck.
Weitere Informationen zum Kletterprogramm des DAV Hersbruck finden sich unter www.dav-hersbruck.de

Thomas Haas