23.07. - 24.07.1988

Es war der letzte Klettertreff unserer Sektion Ende September 2008. Peter Steckermeier hatte für diesen Sonntag die „Röthenbacher Wand“ und die „Weiße Wand“ im Gebiet Schwarzer Brand vorgeschlagen. Nahezu alle Touren waren von uns belegt. Markus zog es vor nicht zu klettern, sondern die Herbstsonne zu genießen und unser Klettern aus bequemer Lage zu kommentieren.

Ich kletterte an diesem Tag einige Routen mit Silke, als sie mich eher beiläufig fragte, „ob ich es gewesen sei, der schon einmal mit Wolfgang Güllich an den Zinnen geklettert ist. Sie hätte da im Internet, bei rocksports.de, meinen Namen gelesen... “Es stimmte. An einem Wochenende, vor genau 20 Jahren, am 23./24. Juli 1988, war ich mit Wolfgang an den Drei Zinnen unterwegs gewesen ...Nach und nach tauchten die Bilder vor meinen Augen wieder auf:Die Mautstraße hoch zum Rifugio Auronzo. Der gut ausgebaute Weg, vorbei am Rifugio Lavaredo zum Paternsattel. Von dort der atemberaubende Blick auf die Nordwände Am Samstag stiegen wir durch das große Dach der Westlichen Zinne (Schweizer Weg (9-( 7+/A1) zum Gipfel und saßen abends schon wieder in Misurina bei Pizza, Nudeln und Rotwein. Mir hätte diese Tour bei weitem schon gereicht, aber Samstag war für Wolfgang nur die erste Hälfte eines Wochenendes. Für den Sonntag schlug er spontan eine Route an der Großen Zinne vor. „Wenn wir schon mal da sind.“ Leichte Zweifel von mir wurden im Keim erstickt: „Das schaffst du schon.“ Ermutigt durch die erfolgreiche Begehung heute und den Rotwein zum Abendessen, war ich schnell überredet.
So kletterten wir am Sonntag – ich wieder am Seilende - durch die direkte Nordwandroute „Hasse-Brandler“ (8+ (6/A3) der Großen Zinne. Wolfgang war wieder sehr schnell „Rotpunkt“ unterwegs. Ich folgte „technisch“. Ein Fiffi , der Seilschwanz und eine lange Schlinge halfen mir dabei, so schnell es ging zu folgen. „Technisches Klettern“ hatte ich viele Jahre zuvor von Richard Munker und der damaligDrei Zinnenen Klettergruppe unserer Sektion Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre gelernt.
Ganz schwach war dann noch die Erinnerung an diese wenigen Minuten, in denen ich mich in das alte Wandbuch eingetragen habe. Ein bisschen blättern, einige bekannte Namen entdecken und schon ging es weiter.
Und jetzt, genau 20 Jahre später, fotografi ert eine Seilschaft aus Ulm am 3.9.2008 unseren Eintrag in das alte Wandbuch und stellt dieses Bild zusammen mit anderen Bildern ihrer Begehung wenige Tage später ins Internet
Silke Hertel ist beim Surfen im Internet zufällig auf dieseWandbuch Seite gestoßen, kommt ein Wochenende später mit ihrem Freund Markus Seitz zum Klettern, er sitzt lieber in der Sonne, Silke und ich klettern zusammen und beiläufig stellt sie mir die eingangs erwähnte Frage.
Aufregend war es dann schon, dieses Bild nach 20 Jahren im Netz zu sehen. Auch die anderen Bilder der Ulmer Seilschaft in der Wand wirken immer noch sehr stark, wenn man selbst am selben Band, unter dem gleichen Dach, im selben Riss geklettert ist. Es folgten noch viele gemeinsame Routen und schöne Tage mit Wolfgang Güllich. Aber dies war für mich die intensivste gemeinsame Unternehmung. Bis zum August 1992.
Damals hatte ich auch einen kleinen Fotoapparat dabei. Abgedrückt habe ich über das gesamte Wochenende aber nur ein einziges Mal am Samstag auf dem Gipfel der Westlichen Zinne.
Karlheinz Kirsch