Outdoorcamp Bad Hindelang 2020

02.-08. August 2020
Die JDAV Hersbruck bei der Jugendgruppenwoche
 
15 Teilnehmer*innen zwischen zwölf und 14 Jahren und die drei Jugendleiter Benedikt Hümmer, Malin Linhardt und Moritz Meyer hatten eine wunderschöne und erlebnisreiche Zeit bei der jährlichen sagenumwobenen Fahrt in die Jugendbildungsstätte nach Bad Hindelang.
In diesem Jahr nahmen wir an der “Jugendgruppenwoche” teil. Das bedeutet, dass uns gemeinsam mit einer Jugendgruppe einer anderen Sektion ein Teamer der JDAV zur Seite gestellt wird, der uns Jugendleiter*innen sowohl fachsportlich als auch pädagogisch und mit zusätzlichen Ideen coachte.
 Bei unserem Teamer handelte es sich um Martin Herz, der gleichzeitig Leiter der JuBi ist. Glücklicherweise hatten Bene und Moritz bereits beim Hüttenwochenende Erfahrung bei der Jugendarbeit in Zeiten von Corona gesammelt, sodass das Erstellen des Hygienekonzepts und die Beachtung der geltenden Regeln deutlich leichter von der Hand ging. Zunächst waren auch nur zehn Kinder und zwei Jugendleiter geplant, jedoch wollten wir noch mehr Kindern ein Erlebnis außerhalb des Corona-Alltags bieten, sodass wir letztendlich auf 15 Kinder mit drei Jugendleitern erhöhen konnten.
Am Sonntagmorgen, den 02. August 2020, trafen sich schließlich die Teilnehmer*innen und ihre Betreuer vorfreudig am Plärrer in Hersbruck. Nach kurzer Einweisung in das Hygienekonzept ging es auch schon los und zwei Pausen und etwa fünf Stunden später kamen wir in Bad Hindelang an. Der Plan war eigentlich den Tag direkt zu nutzen, doch der erste leichte Regen kündigte sich an, weswegen wir stattdessen den nahe gelegenen Schleierfall aufsuchten. Nach einer spontanen kurzen Kletterei durchs Bachbett ging es dann wieder zurück zur JuBi, wo wir endlich einchecken konnten. Die Kinder wurden zu zweit in Vier- bis Sechsbettzimmer eingeteilt und wegen unserer Gruppengröße bekamen wir für die Mahlzeiten ein eigenes großes Zelt auf der Terrasse zugeteilt. Auch hier fand nochmal eine Einweisung in die Corona-Regeln der JuBi statt. Nach dem Abendessen begannen wir mit einigen Kennenlernspielen und der Planung für den nächsten Tag.
Montag Morgen kündigten sich bereits die nächsten Probleme an. Noch mehr Regen und kältere Temperaturen machten weder die Planungen einfacher, noch erleichterte das Wetter die Umsetzung der Corona-Maßnahmen mit viel Lüften und Frühstück draußen im Zelt. Doch hier kam uns direkt Martins riesiger Erfahrungsschatz zur Hilfe. Aus der Idee, den Hirschberg trotz regnerischen Wetters zu besteigen wurde nur 45 Gehminuten von der JuBi entfernt eine mega coole Wanderung durch das felsige Bachbett der Bsonderach bzw. der Vorderen Kehlerinne, welche sich im Nachhinein auch als kleiner Canyoning Ersatz herausstellte. Mit reichlich viel Regenausrüstung ging es von Stein zu Stein springend und kletternd den Fluss hinauf. So mancher Fuß wurde zwar nass, aber das ließ sich aushalten und die Konzentration lag sowieso beim nächsten Tritt. Am finalen Wendepunkt wurde auch direkt das Revier markiert, indem jede Menge Steinmännchen gebaut wurden. Pünktlich vor dem starken Regen am Nachmittag waren wir zurück in der Jubi und trockneten uns gemütlich ab. Der Abend wurde dann mit Spielen verbracht und die Flusswanderung bleibt auf jeden Fall für die nächsten Jahre als Idee gespeichert!
Das Wetter steigerte sich dann leider ins absolut Negative. Nur 9 Grad am Morgen und strömender Dauerregen die ganze Nacht hindurch bestätigten die Befürchtung, dass Canyoning heute wohl nicht stattfinden könnte. Stattdessen überließen wir den Kids bereits am Montagabend die Entscheidung über das Programm und es wurde sich eine Hausrallye und weitere Spiele im Trockenen gewünscht. Gesagt getan wurde den ganzen Dienstagvormittag durchs Haus gerannt, wobei eventuell sogar das eine oder andere über die JuBi, die Umgebung und die Umwelt gelernt wurde. Nachmittags wurden dann noch die Süßigkeitenvorräte beim nahe gelegenen Supermarkt aufgefüllt und weitere Gruppenspiele bis in den Abend hinein gespielt.
Am Mittwoch zeigte sich das Allgäu wettertechnisch endlich von seiner prächtigen Seite. Wärmere Temperaturen und dauerhafter Sonnenschein ließen uns endlich so richtig durchstarten und es ging auf große Gipfeljagd. Wir wanderten direkt am Hirschbach entlang den teilweise mit Drahtseil abgesicherten Hirschbachtobel hinauf, wo es auch dank der starken Regenfälle der vorherigen Tage einige spektakuläre Anblicke zu sehen gab. Oben angekommen ging es die letzten Höhenmeter hinauf zum Gipfel des Hirschbergs, wo uns eine fantastische Aussicht über die Allgäuer Hochalpen erwartete. Doch wer dachte, es wäre hier schon zu Ende, irrte sich. Wir wanderten weiter durch Hügel und Kuhweiden zu einem noch höher gelegenen Gipfel namens Spießer, welcher uns im Gegensatz zum Hirschberg eine schöne Sicht auf den Grünten und das nördliche Flachland bot. Doch wer hoch geht, muss auch wieder runter und so ging es zum langen und anstrengenden Abstieg an der Hirschalpe vorbei zurück zur JuBi. So mancher Jugendleiter lernte am Abend dann sonnenverbrannt, dass nicht nur Kinder Sonnencreme verwenden sollten.
Doch das war erst der Anfang. Am Donnerstag erwartete uns die größte Prüfung und gleichzeitig eine Menge Probleme, die wir erst am Abend vorher realisierten. Aufgrund der Corona Regeln in Österreich war es uns unmöglich, den eigentlich geplanten Friedberger Klettersteig im Tannheimer Tal aufzusuchen. Nach ausführlicher, aber letztendlich ergebnisloser Diskussion über Alternativen bis weit nach Mitternacht besprachen wir die Lage am Donnerstagmorgen erneut mit Martin. Mit ihm stiegen wir dann recht spontan mit den 15 Kindern in den etwas schwierigeren, aber uns sehr gut bekannten Salewa Klettersteig bei Oberjoch ein. Wie erwartet war schon am Einstieg eine Menge los, weshalb wir direkt davor Schlange stehen mussten und die Zeit für eine vorgezogene Mittagspause nutzten. Da das Wetter allerdings absolut stabil blieb und wir außer dem Abendessen keine Termine mehr hatten, entschlossen wir uns für das Warten und gegen einen Abbruch. Anschließend kämpften sich alle Kids unter unserer Aufsicht und der Hilfe von Martin, welcher uns noch ein paar extra Sicherungsmethoden zeigte, durch den Steig. Dass im Jahr 2019 die Schlüsselstelle des Klettersteigs abgestürzt war und klettertechnisch deutlich einfacher neu angelegt wurde, erleichterte uns die Tour etwas. Mächtig stolz auf dem Gipfel des Iselers angekommen war aber aufgrund des langen Staus am Anfang nicht mehr viel Zeit für eine Pause, denn wir mussten fast direkt wieder absteigen, um es pünktlich zum Abendessen zu schaffen. Die letzte Bahn ins Tal war dabei gerade schon gefahren. Die Erschöpfung war groß, doch wir kämpften uns alle bis zu den Bussen durch und schafften es gerade so pünktlich zum Essen. Danach stand auch schon das Genießen des letzten Abends an. Während wir Jugendleiter geplättet noch irgendwie und auch ziemlich erfolglos versuchten irgendwo Energie zu tanken, rannten die vor einer Stunde noch komplett erschöpften Kinder plötzlich wieder über die Wiese, machten Handstand, Party und setzten sich am Ende gemeinsam mit dem JDAV Bonn, natürlich unter Einhaltung einer strikten Trennung der Gruppen, ans Lagerfeuer, um in Malins Geburtstag reinzufeiern.
Am Freitag ging es nach wenig Schlaf direkt auch noch früher aus dem Bett, denn die Zimmer mussten geräumt und der Müll getrennt werden. Nach einer letzten langen Besprechung mit Martin ging es dann endlich in die Busse Richtung Hersbruck. Allerdings nicht ohne einen Zwischenstopp am Freibergsee! Nachdem der Canyoning Termin aufgrund der Corona Regeln auch nicht auf Freitag verlegt werden konnte, suchten wir wenigstens eine andere nasse Alternative. Nach einer kleinen von Muskelkater geprägten Suche nach einer Stelle, wo wir endlich ins Wasser konnten fanden wir eine schöne Wiese mit einem Trampelpfad zu einer kleinen Bucht. Doch viel Zeit zum Baden blieb leider nicht, denn die finale Heimreise stand natürlich an.
Diese gestaltete sich wegen über 30 Grad und 4 Staus durchaus strapaziös. Nichtsdestotrotz wurde bereits im Auto vielfach der Wunsch geäußert, im nächsten Jahr unbedingt wieder mitzufahren und betont wie wunderschön und cool die Woche doch gewesen sei. Trotz oder gerade wegen der Corona-Einschränkungen zeigten sich viele besonders dankbar und emotional und beim Abschied flossen sogar vereinzelte Tränen. Auch für uns Jugendleiter war beeindruckend zu sehen, wie schnell sich aus einzelnen Bekanntschaften eine homogene und beinahe unzertrennliche Gruppe bilden kann, die selbst jetzt nach dem Camp teilweise etwas zusammen unternimmt. Trotz des ausgefallenen Canyonings wurde die diesjährige Fahrt nach Bad Hindelang ihrem Ruf mehr als gerecht. Wir hoffen, dass Wetter und Corona-Regeln im Herbst noch ein Nachtreffen in Form eines Wochenendes auf der Hetzendorfer Hütte zulassen. Und wir freuen uns natürlich schon auf nächstes Jahr unter hoffentlich besseren Bedingungen!
 
 
Autoren: Benedikt Hümmer und Moritz Meyer