Kletterfahrt nach Orpierre

Kletterfahrt nach OrpierreOktober/November 2019
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Die edleren sportlichen Ereignisse haben eine vierjährige Wiederholfrequenz, so auch die Sektionskletterfahrt ins südfranzösische Orpierre. Vier Frauen und vier Männer hatten sich durch ihr Lippenbekenntnis wollen zu wollen qualifiziert und stellten sich dem jahreszeitlichen Wagnis in das Winterregen-Gebiet der Provence zu fahren.

Maître Stecker heuerte zwei Kabinen auf dem örtlichen Campingplatz und koordinierte die Anreise. Nach bestandener Sitzfleischprobe bezogen wir die Bungalows und tauschten uns über die angenehme Seite der langen Fahrt, die grandiosen Blicke auf die Berner Viertausender, auf Mont Blanc und Dauphine aus.
Am ersten Tag war eingrooven angesagt und gleich wartete Orpierre mit T-Shirt-Wetter auf. Wir taten es der Gottesanbeterin gleich und saugten die wärmenden Sonnenstrahlen geradezu in uns auf. Die Routen in den Sektoren Quattre Heur und Mur Jaune ließen kaum klettersportliche Höhenflüge zu. Wir mussten einsehen, dass die Felsen hier eine demütigere Herangehensweise erfordern. (Bilder: Gottesanbeterin und Stefan in Qué passion 6c+ mur jaune)
Am zweiten Tag durften wir die T-Shirts mehr an- als ausziehen, die Sonne ließ sich nur phasenweise sehen. Stefan und ich nahmen spontan am Nachmittag noch eine Mehrseillängentour unter die Kletterbatschen, verfolgten den Gipfelgrat vom West zum Ostgipfel des Quiquillion und seilten mit dem letzten Licht über den Wandsektor Belleric ab, in dem sich zuvor die andern die Finger langgezogen hatten. (Bild: Über Orpierre tront der Westgipfel des Quiquillion.)
Die nächsten Klettertage führten uns in das noch vergleichsweise unabgekletterte Gebiet der „les Blaches“, wo Plattenklettereien unterschiedlicher Neigung, mit 30m Länge und mehr uns aufwarteten und in die gut patinierten (vulgo auch als abgschwasselt zu bezeichnenden), steilen Sektoren am Chateau. Stefan und ich bekletterten noch einmal die 150m hohe Südostwand des Quiquillion, diesmal über die Route Lotus, und hängten noch eine Gipfelbesteigung über den Pilier d'Ascle an.
Ein Schlechtwettertag half uns dabei, die Haut fürs große Finale am Freitag wachsen zu lassen. In den Regenpausen streunten wir durch die Gassen des beschaulichen typisch südfranzösischen Ortes, dem die Landflucht sichtlich zusetzt aber von oben betrachtet noch ein sehr intaktes Bild abgibt.
Am Grand Paroi Jaune konnte dann die kleine Gruppe die ersten siebten Franzosengrade punkten, während die große auf dem ausgesetzten Balkon des gleichnamigen Wandsektors (balcon suspendu) an steilen Platten mir Tropflöchern die Reibung ihrer Sohlen testete.
Ein gelungener Ausflug mit unterhaltsamen, abendlichen (moderaten) Trinkgelagen, ausgedehnten Petit Dejeuners (Frühstück mit Baguette) in einer idyllischen Ortschaft. Wir hatten jede Menge Spaß.

Autor: Christof Wittmann