12.01. - 13.01.08

Wie plane ich meine nächste Tour, wie erkenne ich die Steilheit und die Exposition der Hänge, wie wähle ich die für mich passenden Route aus und wie funktioniert die Sicherheitsausrüstung und was mach ich, wenn ich zu einem Lawinenunfall komme und mache ich dann alles richtig? Diese Fragen habe ich mir schon jedes Mal bei den Touren gestellt und nun hatte ich die Gelegenheit, alles zu erfahren. Unsere Ausbilder Jörg Häusler und Volkert Ebersbach wurden tatkräftig von Markus Seitz und dem Rettungsassistenten Andreas Brunner vom ASB unterstützt. Reiseziel unserer Gruppe, bestehend aus Skitourenanfänger, Schneeschuhgeher und auch erfahrene Hasen war erst mal die ABS Rettungswache in Velden und dann am Wochenende das Blecksteinhaus am Spitzingsee.

Am ersten Abend in der ASB Rettungswache drehte sich erst mal alles um die Reanimation. Die meisten der Teilnehmer hatten wohl nur Erinnerungen an ihren Erste Hilfe Kurs während der Führerscheinausbildung. Nach heutigem Ausbildungsstand gibt es ein paar wesentliche Dinge zu beachten: Verletzten gefunden – Atmung feststellen und zwar mit dem Ohr am Mund und den Augen auf der Brust (Puls feststellen ist out) – keine Atmung, dann erfolgt der Versuch einer Reanimation, 30 x kräftig in der Mitte des Brustkorbes drücken, 2 x beatmen, wobei die Mund zu Mund oder Mund zu Nase Beatmung „Geschmackssache“ ist – und das so lange bis die Rettung da ist.

Auch am Wochenende ging es sofort wieder zur Sache. Jörg ließ uns als erstes die geplante Tour anhand der Landkarte bewerten. Wie steil ist das Gelände, welche Ausrichtungen haben die Hänge, wie viele Höhenmeter werden wir gehen? Was machen wir als erstes, wenn die Gruppe los geht, welche Sicherheitsausrüstung nehmen wir mit und worauf kommt es an? Nach ein paar wunderschönen Höhenmetern durch den Wald erreichten wir unser erstes Ziel. Damit auch das Skitourentraining nicht zu kurz kommt, durften wir alle in einem steilen Hang erst mal fleissig Spitzkehren üben. In drei Gruppen aufgeteilt, erfuhren wir von Andi alles über Erste Hilfe Möglichkeiten wie z. B. wie kann ich einen Arm schienen, welche Funktionen hat die Rettungsdecke und was mache ich bei Erfrierungen. Markus zeigte uns anhand eines Schneeprofils ausführlich die Schneeverhältnisse und Jörg erklärte uns, wie wir die Hangneigung mit Hilfe von Skistöcken, Schneekarte und auch mit einem kombinierten Kompass messen können und nannte die möglichen Gefahren. Nach einer Teepause konnten wir gleich mal einen kleinen unverspurten Hang abfahren. Wieder angekommen am Blecksteinhaus durften wir alle erst mal eine Höhle graben. Volkert hat unsere ersten Sondenversuche ganz gut überstanden, aber der Jörg passte schon auf, dass wir ihn nicht ganz aufspießten. Es ist eine tolle Erfahrung, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Körperteile durch den Schnee „anfühlen“. Inzwischen nützte Markus die Zeit und erklärte dem zweiten Teil der Gruppe, welche unterschiedlichen Lawinensuchgeräte es gibt und wie man diese auch richtig bedient. Nach einer kurzen Kaffeepause zeigten uns Andi und Jörg noch Bilder, Dias und Kurzfilme über mögliche Erfrierungen und deren Behandlungsmöglichkeiten, was ist zu tun, wenn man einen Verletzten gefunden hat und was ist unbedingt danach alles zu beachten sowie über mögliche Lawinenhänge sowie Lawinenabgänge. Nach diesem Teil zeigten nun auch wir die ersten Ermüdungserscheinungen und brauchten dringend Aufmunterung. Da kam uns das Abendessen gerade recht. Aber das nächste Mal müssen wir noch mehr an unserer Ausdauer üben. Nicht alle unserer Teilnehmer haben nach diesem ereignisreichen Tag den Abend bis zur letzten Minute ausgehalten.

Am Sonntag standen die praktischen Übungen und Umsetzen des Gelernten an erster Stelle. Wieder wurden zwei Gruppen Jörg ganz vorbildlichgebildet, damit wirklich jeder Teilnehmer einmal mit seinem Lawinensuchgerät suchen sowie einmal mit der Sonde nach unseren „Verschütteten“ sondieren und mit der Schaufel graben konnte. Natürlich wussten wir nicht, wo die Lawinensuchgeräte versteckt waren und die Zeit wurde mitgestoppt. Das war wirklich eine Herausforderung und für jeden von uns sehr spannend. Unsere Ausbilder waren sehr kritisch und haben uns auf unsere gemachten Fehler ausgiebig hingewiesen. Nach einer ausgiebigen Pause und ein paar kleinen Tiefschneeabfahrten kam der spannenste Moment für uns. Jörg, Volkert, und Andi bereiteten in der Zwischenzeit einen „Lawinenunfall“ für uns vor mit unbekannter Anzahl von Vermissten. Das war so spannend, dass ich Euch gar nicht alles verraten will. Jedenfalls haben wir einige Überraschungen erlebt, mit denen wir gar nicht gerechnet haben. Ich kann nur nochmals sagen, unsere Ausbilder haben alles gegeben. Wir mussten die Lage checken, suchen, sondieren, graben und unseren „H2N2“ reanimieren sowie einen Verletzten versorgen. Danach gab es natürlich wieder Lagebesprechung und wir erfuhren noch mal alles, was gut und weniger gut gelaufen ist.

Ich möchte mich hiermit noch mal ganz herzlich bei Jörg, Volkert, Markus und natürlich auch beim Andi vom ASB für die Durchführung dieses Sicherheitstrainings bedanken. Sie haben uns an diesen drei Tagen unglaublich viel Wissen vermittelt, waren aufs Höchste engagiert und haben uns mit Freude, Herzblut und vollstem körperlichen Einsatz das richtige Verhalten bei Berg- und Lawinenunfällen aufgezeigt. Bei der nächsten Tour weiß ich jetzt, was alles zu beachten ist und ich fühle mich mit Sicherheit nicht mehr so hilflos und das Tourengehen wird noch mehr Spaß machen.

Doris Burkhard