16.01. - 17.01.10

Dieses Jahr fand inzwischen im dritten Jahr das Sicherheitstraining – dieses Mal für Anfänger – in Velden sowie am Wochenende über dem Spitzingsee rund um das Taubensteinhaus statt. Diese bestens organisierte Veranstaltung ist sicherlich ein Aushängeschild für unsere Sektion. Wir trafen beispielsweise auf eine Gruppe von Hauser Exkursionsreisen, die in viel größeren Gruppen geschult wurden und dafür mit Sicherheit auch viel Geld bezahlt haben.

Dem Mittwoch abend gehörte das Erste-Hilfe-Training. Der Leiter der ASB-Rettungsstelle in Velden Andreas Brunner vermittelte uns die wichtigsten Schritte und Handgriffe beim Eintreffen an einer Unglückstelle. Diese wurden dann von jedem sofort geübt. Anschließend erfuhren wir wichtige Details zum Verhalten bei Unfällen im Schnee. Hier gab es für die meisten von uns viele Neuigkeiten, die in keinem normalen Erste-Hilfe-Training vorkommen. Durch die Einschränkung auf das Notwendigste haben wir Teilnehmer sehr viel von diesem Abend mitgenommen. Nach einer kurzen Vorbesprechung des Wochenendes durch Jörg wurden wir schon wieder nach Hause entlassen.

Am Samstag morgen – einem Traumtag - ging es dann bereits früh los in Richtung Spitzingsee. Aus Zeitgründen und aufgrund des vielen benötigten Materials wählten wir die Auffahrt mit der schon fast historischen Gondel. Von der Gipfelstation zum Taubensteinhaus sind es nur einige Hundert Meter, also auch mit viel Gepäck kein Problem.

Zunächst schauten wir uns in der Hütte den Aufklärungsfilm „Notfall Lawine“ des DAV an. Dieser Film fasst in kurz und anschaulich das Vorgehen bei einem Lawinenunglück zusammen. Wir waren einhellig der Meinung, dass sich hier sogar ein Kauf der DVD lohnt und ein kurzes Reinschauen vor der Skitourensaison zur Auffrischung des Gelernten sicherlich kein Fehler ist.

Dann ging es aber endlich hinaus ins Gelände. In zwei Gruppen aufgeteilt absolvierten wir bei Jörg das Programm Sicherheits- und Rettungsmaßnahmen, Materialauswahl und –einsatz, Gelände- und Schneekunde sowie bei Markus und Volkert die konkrete Verschüttetensuche und deren Bergung im Gelände.

Wir erhielten von Jörg ausführliche Informationen, was in einem Skitourenrucksack unbedingt dabei sein sollte, wozu dies zu benutzen ist und natürlich vor allem auch wie es funktioniert. Selbst für fortgeschrittene Teilnehmer gab es einige Überraschungen. Jörg erläuterte die Funktion seines ABS-Rucksacks und wir durften sogar eine Patrone „zünden“ und sahen wie sich die beiden „Airbags“ füllten – sehr beeindruckend. Auch Markus führte uns seinen „Rettungsballon“ vor und erklärte Vor- und Nachteile.

Dann ging es in die Praxis. Wir übten wie man einen Verschütteten ausgräbt und schaufelten uns dabei gleich eine Höhle. In die wurden zunächst Rucksack und Ski platziert und wir übten das Sondieren. Es war faszinierend beim Sondieren den Unterschied zwischen Schneeschichten, Gras, Dreck, Rucksack, Ski und dann schließlich Jörgs Kopf, Arm, Bein, Rücken . . . zu spüren. Schnell begriffen wir auch, dass man beim Sondieren verdammt nahe dran und eben doch vorbei „stechen“ kann. Schließlich durften wir auch mal in die Höhle, um zu erfahren, dass die Sonde wohl einen Verschütteten kaum verletzen kann, man also durchaus mit fester Hand vorgehen darf.

Auch die ausführliche Besprechung des aktuellen Lawinenlageberichtes gehörte zu unserem Training. Woher man ihn bekommt, was wichtig ist, darin zu lesen und vor allem wie wichtig es ist, diesen als Entscheidungshilfe zu verwenden. Geländekunde schloss sich gleich an mit Beurteilung von Windrichtung, Schneeverhältnissen und deren Gefahren. Wir lernten mit der DAV-SnowCard oder den Skistöcken die Gradzahl eines Hangs auszumessen und das umliegende Gelände auf Gefahren zu beurteilen. Auch ein Schneeprofil hat Jörg und gegraben. Wir durften die Schneeschichten fühlen und lernten (ein bisschen!) wie sie zu beurteilen sind.

Nach so vielen Informationen waren wir reif für eine Kaffeepause. Aber die Zeit drängte und so fanden wir uns schon kurz darauf im praktischen Teil „Verschüttetensuche“ bei Markus und Volkert wieder. Dort galt es in einem Hang hinter der Hütte ein bis drei „Verschüttete“ zu orten und die Sendegeräte zu bergen. Zunächst ging es um die Aufgabeneinteilung, wer übernimmt die Führung, wer setzt den Notruf ab, wer sucht wo. Bei Ortung eines Verschütteten gilt es dann in die Feinsuche einzusteigen, möglichst nahe an den Verschütteten heranzukommen ohne hektisch auf ihm herum zu trampeln, richtig zu markieren, sondieren und schnell frei zu schaufeln. Und weil es meist mehr als einen Verschütteten gab, durfte natürlich auch keiner vergessen werden!

Zugegebenermaßen taten wir uns anfangs mit den Ortungen sehr schwer und es lief ziemlich chaotisch. Doch Markus und Volkert gaben uns wichtige Tipps, wiesen uns auf Fehler hin und halfen uns bei jedem Schritt ein wenig besser zu werden. So wurden wir beim dritten und vierten Versuch schon besser und schneller. Zum Schluss wurden wir auch noch gestoppt und gerieten bei der Suche richtig ins Schwitzen. Es wurde uns aber auch bewusst wie schnell und wo man unnötig Zeit verliert und darum geht es im Ernstfall schließlich.

Ein lustiger Hüttenabend mit gutem Essen und Trinken gehörte natürlich auch zum Wochenende. Volkert machte Bekanntschaft mit einem Junggesellenabschied und wir hielten fast alle bis zur obligatorischen Hüttenruhe aus!

Am Abend gab es jedoch noch weitere Informationen wie man sinnvoll und richtig eine Tourenplanung vornimmt, Schlüsselstellen erkennt und sich darauf vorbereitet. Aber auch ein Film mit Bericht eines erfolgreich geborgenen Lawinenopfers und Informationen des Lawinengurus Werner Munker wurde uns noch vorgeführt.

Auch der Sonntag vormittag gehörte noch der Theorie. Der Nachmittag ließ aufgrund des wenigen Schnees und der starken Verwehungen leider nur einen ganz kleinen Ausflug ins Gelände zu. Immerhin stiegen wir einige Hundert Höhenmeter nahe der Piste auf, übten Spitzkehren, fellten zwei Mal an und ab und gerieten dabei doch auch ganz schön ins Schwitzen. Die abschließende Abfahrt war ein durchwachsenes Vergnügen, denn die Schneedecke war einfach zu dünn und wir waren froh, wenn wir „nur“ Gras und keine Steine unter unseren Brettern spürten!

Schließlich erreichten wir um 15 Uhr wieder die Gondel-Talstation und ließen das Wochenende bei Kaffee und Kuchen ausklingen.

Ein großer Dank gilt den Organisatoren und Durchführenden des Sicherheitstrainings Jörg , Markus, Vokert und Andreas. Dieses Wochenende ist ein großer Aufwand, der sich jedoch für alle Teilnehmer auszahlt. Als Skitourenneuling fühle ich mich super gut aufgeklärt und gerüstet. Selbst wenn mir jede praktische Erfahrung fehlt, habe ich doch gelernt, nicht einfach mitzulaufen sondern eben auch hinzuschauen, die Augen offen zu halten und wachsam zu bleiben. Der beste Schutz ist noch immer eine gute Prävention. Und ich hoffe natürlich, im Ernstfall im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen zu können. Die Voraussetzung dafür habt ihr jedenfalls gelegt.
Tausend Dank!!!!

Kerstin Stocker