20.03. - 21.03.10

Schneeschuhwandern ist der große Renner beim DAV Hersbruck. Seit Jörg Häusler diese Art der Fortbewegung in den Bergen anbietet, kann er sich vor Anmeldungen nicht mehr retten, so dass er auch heuer einen weiteren Termin einschieben musste, um dem Ansturm Herr zu werden.

Die mittelschwere Schneeschuhtour dieser Saison führte ins Pitztal auf die Riffelseehütte. Diese liegt im hinteren Pitztal, sozusagen im Herz der Ötztaler Alpen, ist exzellente Aussichtswarte auf die gleißenden Gletscher des Hauptkamms und Ausgangspunkt herrlicher Skitouren. Dass die Hütte auch von einem Pistenskigebiet berührt wird, wird man bei den vielen Vorzügen verschmerzen können, zumal man den Rummel auf den Touren schnell hinter sich lässt..Ein Vorteil ist hier natürlich auch, dass die ersten Höhenmeter mittels Gondelbahn überwunden werden können, so dass der schwere Rucksack auf der Hütte deponiert bleiben kann.

Mit leichtem Gepäck ging es auf einem kurzen Abstieg zum Riffelsee über die Ski-Piste, wo uns manch verwunderter, oftmals mitleidiger Blick folgte. Aber durch solche Ignoranten lässt sich ein echter DAV’ler nicht den Spaß verderben. An der Höhenloipe rund um den See war die Gruppe dann bereits alleine und konnte die winterliche Landschaft genießen. Ganz bequem ging es durch das Riffeltal bergauf Richtung K2. Da es in den letzten Tagen abwechselnd geregnet hatte, dann wieder Warmluft hereinströmte, war die Schneedecke ziemlich aufgeweicht und die Lawinengefahr nicht unerheblich. Ein Erreichen dieses Gipfels war somit unmöglich. Da Jörg Häusler keine Gefahr eingeht, wurde der Rückzug angetreten und kurzerhand im lawinensicheren Geländer eine Erstbesteigung zum Gipfel des R55 eingeschoben, wo wir eine zünftige Brotzeit mit Geburtstagsfeier einlegten.

Auf dem Rückweg zur Hütte hörten wir plötzlich ein gewaltiges Rauschen und Poltern und vor unseren Augen kam aus einer Rinne eine gewaltige Lawine herabgerutscht und türmte sich ca. 10 m neben der Höhenloipe auf. Nach dem ersten Schrecken, konnten wir den Lawinenabgang dann von allen Seiten begutachten. Auch von der Liftstation wurde dieser beobachtet und einer der Angestellten kam mit einem Skibob herangebraust, um sich zu vergewissern, dass auch niemand zu Schaden kam.

Der nächste Morgen zeigte sich mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, jedoch war die Lawinengefahr über Nacht nicht geringer geworden. Unser Ziel, der Wurmtaler Kopf, 3.228 m, gilt zwar als ziemlich leichter Skidreitausender, der größte Teil des Aufstiegs ist flach, nur am Ende des langen Riffeltales schwingen sich mittelsteile Hänge zum Gipfel hinauf, also auch für Schneeschuhe ideale Verhältnisse, jedoch aufgrund der Lawinenlage war es von vorneherein klar, dass wir diesen Gipfel nicht erreichen werden. So beschlossen wir, das Riffeltal entlang zu wandern, solange dies gefahrlos möglich ist. An der Seilbahnstation durften wir unser schweres Gepäck wieder deponieren und marschierten los zum Lawinenabgang des Vortages. Dort wurden die Sonden ausgepackt und Jörg leitete eine Sondierungsübung an. Auch die Lawinenschaufeln wurden ausgepackt und wir mussten feststellen, dass es eines erheblichen Kraftaufwands bedarf, sich an ein eventuelles Lawinenopfer vorzugraben, das bis zu 6 m tief verschüttet liegen könnte.

Später ging es noch bis ans Ende des Riffeltales, um noch zum Gletscher rüber zu schauen. Am frühen Nachmittag kehrten wir dann wieder um und nach einem Kaffeeklatsch an der Seilbahn ging es zurück nach Hersbruck.

Elisabeth Begert