19.07. - 21.07.2013

Nun war es endlich soweit. Die letzten Tage fieberten wir auf dieses Wochenende hin. Wir, das sind Anke Meyer, Gundi Meindl, Doris Meyer, Bettina Schalkhäuser, Andrea Koch-Plank, Andrea Albert, unsere Klettertrainerin, und ich, Andrea Mayer.

Pünktlich am Samstag um 5.30Uhr wurden Anke und ich von Gundi und Andrea A. in Hersbruck abgeholt. Wir waren jetzt zu viert und noch nicht vollständig. Drei unserer Powerfrauen, Andrea K., Doris und Bettina trafen wir dann um 9.30Uhr in Garmisch am Parkplatz an der Alpspitzbahn. Unsere Truppe war jetzt komplett. Nach einer kurzen aber herzlichen Begrüßung stiegen wir mit unseren mit Kletterausrüstung schwer bepackten Rucksäcken in die Alpspitzbahn, wo uns noch andere Bergsteiger und“ Muggenschorschen“ willkommen hießen. Oben, nach rund 9 Minuten Fahrt, auf dem 2033 Meter hoch gelegenen Osterfelderkopf angekommen, begrüßte uns bei herrlichem Sonnenschein das markante Felsmassiv der Alpspitze inmitten des Wettersteingebirges. Nach etlichen Fotos und vielen „Aahs“ und „ Oohs“ tauchten wir in die alpine Landschaft des Alpspitzgebietes ein und bereiteten uns gedanklich auf unsere anstehenden Vorstiegsrouten vor.
Vorsteigen heißt, die Sicherungen für das Seil (über welches vom Partner von unten abgesichert wird) selbst in der Wand zu fixieren.
Nach ca. 10 Minuten an „unserem Fels“, dem Müsliprotz angekommen, wurden wir von unserem Guide Andrea A. (Spitzname Andi) eingewiesen. Schnell haben sich die Kletterpartner gefunden: Doris mit Bettina, Anke mit Gundi und Andrea K. mit mir.
Zuerst erprobten wir den Fels im Toprope (Toprope bedeutet Klettern einer Route mit Seilsicherung von oben), um ein Gefühl dafür zu bekommen. Anders als im Frankenjura sind dort Wettersteinkalkplatten und Erosionsrillen vorhanden.
Schon bald wurden wir mutiger und unter Anleitung stiegen wir unsere ersten Routen im Fels in atemberaubender Kulisse vor. Zitat Gundi : „Ich bin begeistert von mir“. Nach einer kurzen Pause gings gleich weiter zum nächsten Felsen, der „radelnden Hexe“. Unterdessen bewunderten wir die vielen Paraglider, die über unseren Köpfen hinwegflogen. In unserem Element vergaßen wir die Zeit und mussten uns schleunigst zum Abstieg vorbereiten, denn wir hatten noch eine ca. 2 1/2stündige anstrengende Wanderung zur Höllentalangerhütte vor uns, wo wir übernachten wollten.
Die Höllentalangerhütte wurde 1893 erbaut und befindet sich auf 1381 Metern Höhe. Eine sehr schöne urige Hütte, die leider schon sehr bald abgerissen und ganz modern wieder aufgebaut wird. Sie ist Ausgangspunkt vieler alpiner Wanderungen wie z.B. Aufstieg zur Zugsspitze.
Freundlich wurden wir von den Wirtsleuten empfangen und gleich unsere „Schlafplätzchen“ zugeteilt. Gemischt mit anderen Bergsteigern, lustigen Sachsen und Zillertalern lagen wir wie die Sardinen in der Dose im Schlaflager. Ausgestattet mit Ohropax und Baldrian konnten wir die Nacht einigermaßen überstehen. Sonntagfrüh, nach einem reichhaltigen Frühstück frisch gestärkt, sammelten wir uns, um zu unserem Felsmassiv aufzubrechen, wo die Routen nach einem 3 stündigen Aufstieg schon darauf warteten von uns im Vorstieg erklommen zu werden.
Für einige von uns war es eine ganz neue Erfahrung, durch alpines Gelände bergab und bergauf zu wandern. Zum Beispiel mussten Gundi und ich mit blauen Zehen kämpfen und Bettina brauchte viele Blasenpflaster. Entschädigt wurden wir durch das herrliche Wetter und die gigantische Aussicht. Wir tauchten ein in eine wunderschöne Bergwelt und wurden von Gämsen, Molchen, Schnecken und bunten Gebirgsblumen begleitet. An der Bergstation angekommen, stärkten wir uns erst einmal mit leckerer Johannisbeerschorle, Apfelstrudel und Wurstsalat. Dabei beobachteten wir die vielen Touris, die aus der Seilbahn ausstiegen. Leute mit Sandalen weißen Socken und Cowboyhut oder knielangen bunten Strandshorts mit dicken Bierbäuchen, sogenannte „Muggenschorschen“. Ausgeruht und halbwegs fit wanderten wir ca. 10 Minuten zur „Himmelsburg“, unserem nächsten Felsen. Die Routen waren diesmal länger und anspruchsvoller. Wir waren etwas skeptisch, diese Aufgabe bewältigen zu können. Motiviert von unserer tollen Lehrerin Andi wuchsen wir über uns hinaus und festigten unsere neue Kenntnis übers Vorsteigen. Jeder hatte ein Strahlen im Gesicht. Sommer, Sonne, Kletterfelsen und 7 Frauen, die sich super verstanden haben. Das war pure Frauenpower. Mit Erfolg verwöhnt und innerster Zufriedenheit wanderten wir wieder zur Alpspitzbahn und genossen ein letztes Mal das Panorama. Empfangen von heißem Sonnenwetter ließen wir bei einem kühlen Bier und gutem Essen den Tag ausklingen. Mit ein bisschen Wehmut aber auch Freude fuhren wir wieder in Richtung Franken /Oberpfalz.

Andrea Mayer